Wässern von SW-Filmen

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Ist der Schwarzweißfilm entwickelt, unterbrochen und fixiert, steht noch der Arbeitsgang "Wässerung" an, der wesentlich zur Archivfestigkeit und Haltbarkeit des Films beiträgt.

Wurde nur ungenügend oder falsch gewässert merkt man die Auswirkungen erst nach einigen Jahren oder Jahrzehnten.
Ein richtig gewässerter SW-Film hat auch nach 50 und mehr Jahren noch seine ursprüngliche Qualität (richtige Lagerung vorausgesetzt).

Unterschiedlich empfindliche Filme haben eine dünnere oder dickere Filmschicht, deshalb ist es auch erforderlich die Filme unterschiedlich lange zu wässern, damit die noch in der Schicht enthaltenen Chemikalien (Fixierbad) ausgewaschen werden.

Eine Studie von Tetenal hat ergeben, dass die Wässerung erheblich reduziert und somit Unmengen von Wasser eingespart werden können.
Die nachfolgenden Wässerungszeiten ergeben für die aufgeführten Filme eine Mindesthaltbarkeit von 20 Jahren in unverändertem Zustand (bei normaler Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit).
Die Wässerung wurde fließend und bei 20 Grad Celsius durchgeführt.
Unterschiede ergeben sich bei Verwendung von unterschiedlichen Fixierbädern, da sich die neueren Fixierbäder (Express- und Superfix) besser auswaschen lassen, als die herkömmlichen sauren Fixierbäder.

Filmtyp Wässerung
saure Fixiersalze
Wässerung
Express- Superfix-
Fixiersalze
Agfapan 25 90 sec 60 sec
Agfapan 150 sec 60 sec
Agfapan 160 sec 65 sec
Panatomic-X 160 sec 50 sec
Plus-X Pan 180 sec 120 sec
Tri-X 200 sec 120 sec
Pan-F 180 sec 120 sec
FP 4 150 sec 120 sec
HP 5 180 sec 140 sec
NP 15 150 sec 75 sec

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Empfehlung

Da in der täglichen Praxis noch einige Unwägbarkeiten (z.B. unterschiedliche Wasserhärte usw.) hinzuzurechnen sind und wir auf "Nummer Sicher" gehen wollen, empfehlen wir folgende Zeiten in der Praxis einzuhalten :

  Wässerungszeit in Minuten
Filmart stehende
Wässerung
fließende
Wässerung
Wässerung mit
Schnellwascher
niedrig empfindliche Filme
(z.B. Agfapan 25)
ISO 25 / 15
º
15 5 2,5
mittel empfindliche Filme
z.B. Ilford FP4
ISO 125 / 22
º
20 10 4
hochempfindliche Filme
z.B. Ilford HP5 /
Kodak Tri X
ISO 800 / 30
º
25 15 8

Erläuterung

Wassertemperatur :
Das Wasser das Sie zur Wässerung verwenden, sollte standardmäßig auf eine Temperatur von 20 Grad (Celsius) eingestellt und auch über die gesamte Wässerungszeit konstant sein. Plus / minus 2 Grad spielt in der Praxis keine Rolle, jedoch sollte unterhalb von 15 Grad und auch oberhalb von (notfalls) 30 Grad nicht gewässert werden.
(Bei 15 bis 18 Grad sollte die Wässerungszeiten um mindestens 50 %, bei 10 bis 15 Grad um mindestens 100 % verlängert werden)

Stehende Wässerung
Steht kein fließendes Wasser zur Verfügung kann auch mit stehendem Wasser gewässert werden.
Hierzu wird das temperierte Wasser in die Entwicklerdose eingefüllt und die Dose alle 30 Sekunden zwei bis dreimal schwungvoll gekippt, oder bei offener Dose der Spiraleinsatz mehrfach kräftig auf und ab bewegt.
Nach jeweils 2 Minuten der Wässerungszeit wird das Wasser ausgekippt und frisches Wasser eingefüllt.

Diese Wässerungsart ist vorzugsweise anzuwenden, wenn kein konstant temperiertes fließendes Wasser zur Verfügung steht, oder die Mischbatterie sich nicht genau regeln lässt.
Oft kommt es auch vor, dass beim Betätigen eines anderen Wasserverbrauchers z.B.: die Toilettenspülung sich die Temperatur schlagartig ändert und der Film "gekocht" wird. Runzelkorn, Mosaikartige Strukturen auf dem Film durch Schichtrisse, oder sogar ein Abflocken der Schicht sind die Folge.

Fließende Wässerung
Unter fließender Wässerung wird verstanden wenn der Film durch das Wasser dauernd umspült wird.
Dies wird erreicht wenn das Wasser vom Wasserhahn in die offene Entwicklerdose läuft, oder noch besser mit einem Schlauch, der in die Öffnung des geschlossenen Entwicklerdosendeckels gesteckt wird.
Der Wasserverbrauch ist hier nicht besonders hoch einzustellen, 3 bis 5 Liter pro Minute reichen aus.

Wässerung mit Schnellwascher (Jobo Cascade o.ä.)
Von verschiedenen Firmen werden sogenannte Wässerungshilfen angeboten, die die Wässerungszeit verkürzen.
Durch Luftzufuhr wird diese dem Wasserstrahl in kleine Blasen beigemengt, was bewirkt, dass die Wässerung wesentlich intensiver erfolgt und dadurch auch die Wässerungszeit, teils erheblich, verkürzt wird.
Befolgen Sie die dem Gerät beigefügte Gebrauchsanweisung und den dort angegebenen Wässerungszeiten und dem vorgeschlagenen Wasserverbrauch (meist 5 Ltr pro Minute).

Tipps :
Bevor Sie mit der eigentlichen Wässerung beginnen, sollten Sie, nach dem Ausschütten des Fixierbades, die Entwicklerdose öffnen, mit Wasser (auch 20 Grad) zu füllen und gut auszuspülen.
Vergessen Sie nicht auch den Deckel gut zu Spülen.
Sie können diesem ersten Spülwasser auch einen Tropfen Pril (auch Agepon, Mirasol, oder ein anderes Netzmittelbad) zugeben, das entspannt das Wasser und bewirkt, dass das am Film und in der Entwicklerdose anhaftende Fixierbad neutralisiert wird (hier können sie ruhig etwas Schaum schlagen, in dem Sie kräftig den Spiraleinsatz stauchen).
Behandlungszeit maximal 1 Minute.
Gleichgültig nach welcher Methode Sie Wässern, mindestens 3 Mal sollten Sie die Wässerung unterbrechen, das Wasser auskippen und erst dann die Wässerung fortsetzen. Das bewirkt, dass sich Luftblasen, die am Film anhaften, entfernt und Fixierbadreste aus der Entwicklerdose ausgespült werden.

Nachbehandlung :
Nach der Wässerung sollten Sie den Film mit einem Netzmittelbad behandeln, das verhindert Wasser- / Trockenflecken.
Empfehlung : Verwenden Sie "Tetenal Mirasol Antistatic", oder ähnliche Produkte anderer Hersteller.
Die Dosierung des Netzmittelbades können Sie ruhig geringer halten als die Herstellerangaben.
Geben Sie das Netzmittelbad erst in das Wasser, dann tauchen Sie den Film mit der Entwicklerspirale in das Bad ein. Bewegen Sie den Film mäßig, damit es keinen Schaum gibt.
Behandlungszeit nach Herstellerangaben (meist 1 Minute).

Trocknung :
Nach dem Netzmittelbad sollten Sie den Film abstreifen, damit das überschüssige Wasser und Schaum vom Netzmittelbad entfernt wird.
Die Empfehlung in einigen Lehrbüchern, den Film einfach aufzuhängen kann ich nicht empfehlen, denn anhaftende Luftblasen verursachen oft hässliche und meist auch nicht mehr entfernbare Flecken.
Die im Handel angebotenen Abstreifzangen und auch der Tipp den Film zwischen zwei Fingern abzustreifen meiden Sie gefälligst, denn zu schnell ist durch Staub auf den Gummilamellen des Abstreifers, oder rauhe Haut an den Fingern ein Kratzer auf dem Film.
Kaufen Sie sich ein Stück Hirschleder , 15 x 15 cm genügen (gutes Fensterleder, ähnlich dem Ledertuch zum Abledern des Autos).
Dieses wird zuerst unter fließendem Wasser und dann im Netzmittelbad (nachdem der Film mit der Filmspule aus der Entwicklerdose herausgenommen wurde) geschmeidig gemacht.
Nach dem leichten Ausdrücken mit der Hand ist er gerade trocken genug um das Wasser auf dem Film aufzunehmen und noch feucht genug um Kratzer zu vermeiden.
Wenn Sie den Film aus der Spirale herausgenommen haben, klemmen Sie oben und unten je eine Filmklammer und halten den Film an der oberen Filmklammer fest, damit er senkrecht herabhängt.
Legen Sie das Hirschleder über zwei Finger und streifen den Film von oben nach unten ab.
Hierbei sollten Sie zuerst die "blanke" Seite, dann erst die "Schichtseite" des Films abstreifen.
Das ganze muss ohne Druck auf den Film erfolgen (also den Film nicht im rechten Winkel über das Hirschleder ziehen).
Jetzt hängen Sie den Film an einem staubfreien Ort zum Trocknen auf.
Das Hirschleder trocknen Sie ebenfalls staubfrei und bewahren es ebenso auf.

Haben Sie Ihre Filme so gewässert und behandelt, können Sie sicher sein, dass die Negative auch noch von Ihren
Ur- Ur- Enkeln vergrößert werden können. Die freuen sich riesig, wenn Sie sehen können wie einst der Ur- Ur- Großvater / Großmutter ausgesehen hat.

Bruno Erni

Viel Erfolg wünscht Ihnen der FFC


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© 1. Juni 1998 Foto- und Filmclub Ketsch e.V. Bruno Erni