Reproduktionen von Bildern
(Schwarzweiß Halbton- / Strich- oder Farbvorlagen)

Kamera
Vorteilhaft Spiegelreflexkamera

Objektive
Geeignet sind alle Objektive mit fester Brennweite die eine gute Abbildungsleistung haben.
Zoomobjektive (auch solche mit Makroeinstellung) sind nur bedingt im Nahbereich verwendbar, da diese gerade hier meist größere Verzeichnungen und (Rand-) Unschärfen aufweisen.

Blendeneinstellung
Für Reproduktionen sollte am Objektiv standardmäßig die Blende 8 oder 11 eingestellt werden um die Schärfenleistung des Objektivs voll auszunutzen.

Nahaufnahmegeräte
Normal- oder Teleobjektiv in Kombination mit Zwischenringen, Balgengeräte mit längerbrennweitigen Objektiven (ab 80 mm Brennweite), Makro-Objektive.

Zubehör
Stativ, oder Reproeinrichtung ist Voraussetzung.
Draht-, oder elektrischer Auslöser ist immer zu benutzen um Verwacklungen zu vermeiden.

Filme
Schwarzweiß-Strichfilm: Agfaortho (für Vorlagen die nur  Schwarz und Weiß und keine Grauwerte enthalten) 
Schwarzweißhalbtonfilm : Agfapan 25
oder ähnliche Filme mit ISO 25 / 15º, 50 / 18º, oder notfalls auch 100 / 21º z.B.: Ilford Pan F,
Farbnegativfilm : ISO 50 / 18º, oder 100 / 21º,
Diafilm : ISO 50 / 18º, oder 100 / 21º Tageslicht oder Kunstlichtfilm.

Licht
Glühlampen (Nitraphot) und Halogenlampen haben den Vorteil, dass an der Kamera die Belichtung, durch Zeit- und Blendenverstellung in einem weiten Bereich geregelt werden kann.
Dies ist bei Verwendung von Blitzgräten nicht immer möglich, da die Computerautomatik abgeschaltet werden muss und dann nur noch eine festgelegte Zeiteinstellung an der Kamera (oft nur 1/60") möglich ist, die nur durch Verstellen der Blende angepasst werden kann.
Dies ist oft problematisch, wenn besonders große Vorlagen (Blende 16 oder 22 ist erforderlich), oder besonders kleine Vorlagen (im Bereich um 1:1) reproduziert werden sollen (Blende 4 oder 5,6 ist erforderlich).
Vorteil des Blitzes : Tageslichtfilme können ohne Konversionsfilter verwendet werden und Blitzbeleuchtung ist sehr konstant.
Nachteil bei der Beleuchtung mit Glühlampen ist, dass für Tageslicht- Farbnegativ- und Diafilme ein Konversionsfilter verwendet werden muss (Diafilme für Kunstlicht benötigen keinen Konversionsfilter).

Verwenden Sie nur Lampen, die ein weiches Licht abstrahlen, gerichtetes Licht ist nicht geeignet.
Bei Blitzgeräten wenn möglich auf Weitwinkelausleuchtung einstellen.

Beleuchtung
a) Schwarzweißfilm : Glühlampen, Halogenlampen, Blitz, keine Konversionsfilter erforderlich.
b) Farbnegativfilm : Glühlampen mit entsprechender Farbtemperatur (Nitraphot BR) und Verwendung eines Konversionsfilters (B12) wenn Tageslichtfilm benutzt wird,
Halogenlampen unter Verwendung eines Konversionsfilters (B10) wenn Tageslichtfilm benutzt wird,
Blitz (kein Filter erforderlich)
c) Diafilm : siehe unter Farbnegativfilm
(Kunstlichtdiafilme benötigen bei Glühlampenbeleuchtung, normalerweise keinen Konversionsfilter)

Beleuchtungsanordnung
Um aber alle Vorlagengrößen bis DIN A4 abzudecken, ist es ratsam den Abstand der Beleuchtungslampen einmal festzulegen und auch für alle kleineren Vorlagengrößen beizubehalten.
Geht man von einer maximalen Vorlagengröße eines DIN-A4-Blattes im Querformat aus, dann sollten die Lampen folgendermaßen angeordnet sein :
Nimmt man die Kamera als Nullpunkt an, dann sollten die Lampen mindestens in gleicher Höhe sein, besser aber 60 cm von der Vorlage entfernt.
Der seitliche Abstand von der Kamera aus zu jeder Lampe sollte ebenfalls mindestens 60 cm betragen.
Die so aufgestellten Lampen bilden also, von der senkrechten Kameraachse aus betrachtet jeweils einen Winkel von 45 Grad.
So ist sichergestellt, dass keine Spiegelungen entstehen.

Vorlagen- und Kameraausrichtung
Die Vorlage und Kamera sollten, wie der Maurer sagt, im Wasser stehen.
Auf deutsch heißt dies : Das Grundbrett der Reproeinrichtung ist mit einer Wasserwaage längs und quer zu prüfen, ob dies genau waagerecht liegt, wenn nicht dann mit dünnen Pappscheiben unterlegen.
Danach wird die Kamera ebenfalls ausgerichtet (längs und quer).
Die Wasserwaage sollte an die vordere Fassung des Objektivs gehalten werden und durch Schwenken, bzw. Unterlegen an der Kamerabefestigung, wird eine senkrechte Ausrichtung zur Vorlage herstellt (in Baumärkten gibt es kleine Wasserwagen die hierfür gut geeignet sind).

Vorlagenaritierung
Bilder (Vorlagen) die reproduziert werden sollen, müssen, sofern diese nicht ganz eben aufliegen, mit einer Glasscheibe abgedeckt werden, da sonst Verzerrungen, Unschärfen und Spiegelungen auftreten.

Spiegelungen
Um Spiegelungen durch Vorlagen mit glänzender Oberfläche (oder bei Verwendung einer Glasscheibe) zu vermeiden, muss vor das Objektiv ein sog. Neger angebracht werden.
Dieser verhindert, dass sich Kamerateile, oder Teile der Reproeinrichtung in der Vorlage spiegeln.
Ein mattschwarzer Karton, in den ein Loch in der Größe des Objektivvorderteils eingeschnitten ist, wird durch die Sonnenblende gehalten.
Die Größe des Kartons sollte so groß wie möglich und so klein als notwendig gewählt werden.
Achtung : Bei kleinen Vorlagen überprüfen, ob der Neger keine Schatten auf die Vorlage wirft !!!

Raumlicht
Um Farbstiche bei Reproduktionen mit Farb- / Diafilmen, sowie Spiegelungen durch Reflexion auf den Vorlagen oder der Abdeckglasscheibe zu vermeiden, sollte das Raumlicht beim Belichtungsvorgang ausgeschaltet und Einfall von Tageslicht (Fenster) vermieden werden.
Am besten stell man eine schwache Lampe abseits der Reproeinrichtung auf, die dann aber immer eingeschaltet bleiben kann.

Belichtungsmessung
a) Innenmessung mit der Kamera
Steht eine Kamera mit Innenmessung zur Verfügung, die auch im Langzeitenbereich (um 1 bis 5 Sekunden) noch genau misst, dann sollte diese zur Belichtungsmessung eingesetzt werden.
Die automatische Belichtungssteuerung muss aber aus verschiedenen Gründen abgeschaltet werden.
Ebenso ist möglichst eine Messung auf die zu reproduzierende Vorlage (Bild) zu vermeiden, da ja jede Vorlage andere helle und dunkle Bildteile aufweist.
Eine exakte Belichtungsmessung wird erreicht, wenn entweder auf eine genormte Graukarte, oder auf irgend einen grauen Karton (aber immer den selben verwenden) gemessen wird, dessen Größe sollte so bemessen sein, dass er im Kamerasucher formatfüllend zu sehen ist (verfügt die Kamera über eine Spotmessung, kann der Karton natürlich kleiner sein).

b) mit Handbelichtungsmesser
Ist die Innenmessung der Kamera nicht im Langzeitenbereich für eine exakte Belichtungsmessung geeignet, dann muss mit einem Handbelichtungsmesser gemessen werden.
Hierbei kann die selbe Methode angewandt werden, wie bei der Innenmessung (von der Kamera aus senkrecht auf den Graukarton messen)
Allerdings müssen jetzt weitere Faktoren berücksichtigt werden :
1) wenn ein Filter verwendet wird (der Verlängerungsfaktor steht auf jedem Filter. Ein Verlängerungsfaktor von 2 ist 1 Blenden- oder Zeiteinheit, ein Verlängerungsfaktor von 4 ist 2 Blenden- oder Zeiteinheiten).
2) die Größe der Vorlage. (siehe Tabelle der Verlängerungsfaktoren)
Entgegen der landläufigen Meinung hängt der Verlängerungsfaktor bei Nahaufnahmen nicht vom verwendeten Objektiv, Balgengerät oder Zwischenringen ab, sondern nur von der Größe der Vorlage.
(Ausnahme : Verwendung von Vorsatzlinsen, Weitwinkelobjektiven in Retrostellung und Spezialobjektive)
Es ist vollkommen schnurtzegal ob eine Briefmarke mit der Größe von 24 x 36 mm mit einem Weitwinkelobjektiv, einem Normalobjektiv 50 mm, einem Teleobjektiv mit 80, 135, 200, 500 oder 1000 mm Brennweite formatfüllend abfotografiert wird (also hier immer im Maßstab 1 : 1).
Der Verlängerungsfaktor ist immer 4, das entspricht einer Verlängerung der Belichtungszeit von 2 Zeiteinheiten, oder das Öffnen der Blende um 2 Werte (analog bei anderen Abbildungsmaßstäben).

Eintesten des Films
Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, ist jeder Film der für Reproduktionen verwendet wird einzutesten, um das Zusammenspiel aller Unsicherheitsfaktoren zu optimieren.
Verschlusszeiten- und Blendenabweichungen bei Kamera und Objektiven,
Verlängerungsfaktoren von Filtern,
Einfluss der Farbtemperatur der Beleuchtung auf Belichtungsmesser,
Differenzen von Belichtungsmessern (Innenmessung, Handbelichtungsmesser),
Schwarzschild - Effekt bei Langzeitbelichtungen,
Je nach verwendeter Beleuchtung, kann die Nennempfindlichkeit des verwendeten Films u.U. erheblich abweichen.
Dabei spielt bei Schwarzweißfilmen auch die Entwicklung eine entscheidende Rolle.

Deshalb sollte jeder Film eingetestet werden, um immer wieder wiederholbare Ergebnisse zu erzielen.
Dabei sollte immer wieder die gleiche Beleuchtung verwendet werden und bei Schwarzweißfilmen immer der selbe Entwickler und die entsprechende Entwicklungszeit.

Filmentwicklung

Schwarzweißfilm : Dieser sollte nicht in irgend ein Labor zur Entwicklung abgegeben werden, denn Filme mit denen Reproduktionen hergestellt wurden, müssen individuell entwickelt werden, besonders dann, wenn hiervon größere Bilder als 13 x 18 cm hergestellt werden sollen.
Der Schwarzweißfilm für Reproduktionen ist besonders weich zu entwickeln, damit hinterher wieder die Tonwerte stimmen (Weiß sollte ja auch wieder Weiß, Schwarz sollte auch wieder Schwarz werden und die Grauwerte sollten ebenfalls wieder mit denen des Originals übereinstimmen.
Zu diesem Zweck arbeitet man mit verdünntem Entwickler (Beispiel : ID 11, oder Microphen 1 +3, oder eben mit anderen Verdünnungen die im Merkblatt des Filmherstellers angegeben sind).
Ich arbeite mit dem Film Agfapan 25 und entwickle diesen in Rodinal 1 + 100 (bei einem Entwicklerdoseninhalt von 500 ml, werden 5 ml Rodinal (das ist kein Schreibfehler, in Worten fünf ml) zu 500 ml Wasser gegeben.
(ml war früher ccm, das ist aber das gleiche, denn 1 ml ist auch 1 ccm und 500 ml sind halt 1/2 Liter)
Gefühlsmäßig würde man im Anblick von so wenig Entwickler, auf so viel Wasser sagen, das gibt ganz bestimmt nichts, aber es funktioniert hervorragend !!!!
Entwicklungszeit 10 Minuten, dabei wird in der ersten Minute die Entwicklerdose dauernd, in der nachfolgenden Zeit nach jeder 1/2 Minute einmal gekippt.

Durch diese weiche Entwicklung (egal welcher Entwickler und welcher Film) verliert der Film an Empfindlichkeit und man muss hier zwingend einen Belichtungstest durchführen.
Empfehlung : Vom gemessenen Wert ausgehend (Verlängerungsfaktoren usw. bereits berücksichtigt) belichtet man in mehreren Stufen länger (+1, +2, +3, +4 Zeiteinheiten).
Nach der Entwicklung sucht man dann das optimal belichtete Negativ heraus und vermerkt dann die endgültige Einstellung des Belichtungsmessers.
Beispiel : Der Film hat eine auf der Packung angegebene Empfindlichkeit von ISO 100 / 21º, der Entwicklungstest hat aber gezeigt, dass das Negativ mit einer Korrektur um +1 Zeiteinheit das optimale war, dann ist zukünftig der Belichtungsmesser auf ISO 50 / 18º einzustellen.

Anmerkung : Die oben angegebene Belichtungsmessereinstellung (z.B. ISO 100 / 21º) ist die seit einiger Zeit übliche Bezeichnung der Filmempfindlichkeit bei allen Filmen.
Die erste Zahl (100) ist die früher als ASA bezeichnete und die zweite Zahl (21º) ist die früher gebräuchliche DIN- Zahl.
Achten Sie deshalb die bei Ihren Geräten ( Belichtungsmesser, Kamera, Blitz) darauf, welche Werte (ASA oder DIN) einzustellen sind. Bei vielen Geräten sind jedoch beide Angaben vorhanden, so dass es nicht zu Verwechslungen kommen kann.
Wird die erste Zahl (hier 100) halbiert (auf 50) entspricht dies der Verlängerung der Belichtungszeit um das doppelte z.B. anstatt 1/60" dann 1/30", wird die Zahl aber verdoppelt (z.B. 100 auf 200) entspricht dies die Verkürzung der Belichtungszeit um die Hälfte z.B. anstatt 1/60" dann 1/125").
Ein halbieren, oder Verdoppeln der ASA-Zahl bewirkt also immer einen ganze Zeit- oder Blendensprung.
Wird mit der zweiten Zahl gerechnet, ist die Rechnung nicht ganz so einfach, denn eine Veränderung um -3º (z.B. von 21º auf 18º ist eine Verlängerung der Belichtungszeit um einen Wert (z.B. anstatt 1/60" dann 1/30"), oder eine Veränderung um +3º (z.B. von 21º auf 24º) bewirkt eine Verkürzung der Belichtungszeit (z.B. anstatt 1/60" dann 1/125").
Eine Veränderung um 3º bewirkt hier also immer einen ganze Zeit- oder Blendensprung.

Farbnegativfilm : Im Labor zur Entwicklung abgeben (die hiervon hergestellten Farbbilder sind meist etwas härter als das Original)

Diafilm : Im Labor zur Entwicklung abgeben (die Repro-Dias sind meist etwas härter als das Original).

Gradationsbeeinflussung
Um diese Gradationsaufsteilung (zu harte Farbbilder, oder Dias) zu vermeiden kann man mit einer unterschwelligen Vorbelichtung arbeiten.
Dies ist leicht durchzuführen : Stellen Sie zuerst die Kamera und Objektiv auf das zu reproduzierende Bild ein in dem Maßstab wie Sie es reproduzieren möchten und ermitteln dann die erforderliche Belichtungszeit und Blende.
(Beispiel : Es wurde ermittelt Blende 8 und 1/15")
Stellen Sie dann die Verschlusszeit um genau 6 Stufen in Richtung kürzere Zeiten (in unserem Beispiel ist das dann Blende 8 und 1/1000").
Haben Sie anstatt der oben genannten 1/15" eine kürzere Verschlusszeit ermittelt, dann reicht natürlich die Verstellung der Zeit nicht, da bei vielen Kameras bei 1/000" schon Schluss ist. Schließen Sie dann eben zusätzlich die Blende um die noch fehlenden Stufen (aber immer ganze Blendenstufen zählen und verstellen).
Legen Sie nun ein reinweißes Blatt Papier (Kopier- / Schreibmaschinenpapier) anstelle des Bildes, stellen das Objektiv leicht unscharf ein und lösen die Belichtung aus (bei gleichen Beleuchtungsverhältnissen wie bei der Ermittlung der Belichtungszeit).
Betätigen Sie nun die Doppelbelichtungsfunktion Ihrer Kamera (leider nicht bei allen vorhanden) und belichten nun das Bild mit der ermittelten Blende und Zeit (hier Blende 8 und 1/15").
Entwickeln Sie nun den Film (oder lassen entwickeln) und beurteilen dann ob die Vorbelichtung richtig war.
Sind bei Ihren Bilder / Dias flaue Bildteile in den Schattenpartien zu sehen, dann war die Vorbelichtung zu stark.
Beim nächsten Mal schließen Sie die Blende zusätzlich um eine halbe / ganze Blende.
Ist das Ergebnis immer noch zu hart, dann müssen Sie die Blende um eine halbe / ganze Blende öffnen.
Wie eine Vorbelichtung auch bei Kameras problemlos durchzuführen ist, die keine Doppelbelichtungseinrichtung besitzen, erfahren Sie >>HIER<<.

Ergebnis
Die so reproduzierten Bilder können Sie bequem wieder auf die selbe Vorlagengröße vergrößern, wie die des Originals und es wird keine Qualitätseinbuße zu sehen sein.
War die Vorlage exzelent scharf, dann kann man mit Sicherheit die Reproduktion wesentlich größer herstellen, ohne, dass man einen Qualitätseinbruch erlebt.
Ich selbst habe schon gute Passbilder reproduziert und auf die Größe 9x13cm oder sogar auf 13x18cm vergrößert und war überrascht wie gut das Ergebnis war. Selbst 30x40cm SW-Vorlagen kann man mit Kleinbildfilm reproduzieren und wieder auf 30x40cm vergrößern, allerdings ist hier ein richtiges Eintesten des Films und Entwicklers unerlässlich, sowie eine genaue und konstante Arbeitsweise erforderlich.

Bruno Erni

Nun wünschen wir viel Spaß beim Reproduzieren


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© 27. Januar 1997 Bruno Erni