Multigrade Vergrößerungspapier

 

Eigenschaften
Mutigrade Vergrößerungspapier (nachfolgend MG genannt) für Schwarzweißvergrößerungen haben bestimmte Eigenschaften, die zu beachten sind.

MG- Papiere : Diese sind sog. Kontrastwandelpapiere, d.h. man benötigt nur eine einzige Packung MG und hat, über die unten beschriebenen Filter, alle Gradationen (von 0 = Extraweich bis 5 = Extrahart) verfügbar.
Dass für jede Gradation eine extra Packung Vergrößerungspapier gekauft werden musste entfällt also hier.
Dies hat entscheidende Vorteile, insbesondere bei der Lagerhaltung und auch der Konstanz bei der Verarbeitung.

Papierträger : MG-Papiere sind (meistens) mit Kunststoff beschichtet.
Dies hat den Vorteil, dass die Nassverarbeitung und die Trocknung unproblematisch sind.
Der Nachteil ist, dass bei unvorsichtiger Verarbeitung Kratzer auf der Bildoberfläche entstehen, die nicht mehr zu beseitigen sind, oder durch Knicken unschöne Falten entstehen.

Dunkelkammerbeleuchtung
Laut Vorschrift sollten nur speziell für MG geeignete Dunkelkammerlampen, oder Filter verwendet werden.
Tests haben ergeben, dass aber auch die bisher verwendeten Dukaleuchten verwendet werden können. (Olivgrünfilter, oder Rotfilter)
Allerdings sollte unbelichtetes / belichtetes MG nicht allzu lange der Duka-Beleuchtung ausgesetzt werden.
Der Abstand der Dukaleuchten zu den Verarbeitungsschalen, oder dem Grundbrett des Vergrößerungsgerätes, sollte mindestens 75 cm betragen (Glühlampe in der Dukaleuchte : 15 Watt !!!).
Ein einfacher Test ermittelt zuverlässig ob die Duka-Beleuchtung geeignet ist : Ein kleines Stück MG wird unterhalb der Duka-Beleuchtung auf den Tisch gelegt, darauf ein 2, oder 5 Markstück.
Nach 5 Minuten wird das MG normal entwickelt, fixiert, gewässert und getrocknet.
Bei guter Beleuchtung, oder Tageslicht wird das MG begutachtet. Ist das ganze Blatt gleichmäßig weiß, dann ist die Duka-Beleuchtung in Ordnung. Ist aber nur die Stelle wo das Geldstück gelegen hatte weiß und außen herum ist ein leichter Grauschleier zu sehen, dann stimmt etwas mit der Duka-Beleuchtung nicht.
Den gleichen Test sollte man mit einem Stück MG-Papier durchführen, das zuvor mit einem Motiv belichtet wurde, um ggf. eine Beeinflussung der Dunkelkammerbeleuchtung auf die Gradation zu ermitteln.

Filterung
Um die gewünschte Gradation zu erzielen sind spezielle MG - Filter erforderlich
Diese gibt es in zwei Ausführungen. Einmal als Folienfilter, der in die Filterschublade eingelegt wird und Filter die in Kunststoffrahmen gefasst sind, diese können mit der beigelegten Halterung vor dem Vergrößerungsobjektiv befestigt, oder einfach mit der Hand vor das Objektiv gehalten werden.
Auch sind Farbmischköpfe für die Filterung geeignet, allerdings wird hierbei nicht das ganze Gradationsspektrum erreicht.

Belichtungszeitermittlung
Die Belichtungszeit für eine Vergrößerung bestimmt man entweder mit der Streifenbelichtungsmethode, oder wenn vorhanden mit einem Dunkelkammerbelichtungsmesser.
Bei der Streifenbelichtungsmethode sollte der erste Versuch immer mit der Gradation 3 erfolgen, denn mit dieser liegt man genau in der Mitte aller Gradationen und die Belichtung auf dem Probestreifen kann sehr gut beurteilt werden.
Wird mit einem DUKA-Belichtungsmesser gearbeitet, dann muss man sich entscheiden, ob man die Messung immer ohne Filter (zu empfehlen bei Belichtungsmessern die eine geringe Empfindlichkeit besitzen, oder bei solchen, die auf die Filterfarbe falsche Messergebnisse liefern), oder immer bei eingelegtem Filter (zu empfehlen bei guten empfindlichen Belichtungsmessern) durchführt.

Achtung : Wird die Belichtung nach der Streifenbelichtungsmethode ermittelt, oder die Belichtung mit einem Dunkelkammerbelichtungsmesser ohne MG-Filter gemessen, dann gilt die ermittelte Belichtungszeit für die Filter der Gradationen 0 bis 3 1/2.
Wird danach auf die Filter der Gradationen 4 bis 5 umgestiegen, dann muss die Belichtungszeit verdoppelt werden. (am besten aber nach dem Filterwechsel nochmals einen Probestreifen machen)

Gradation
Ungeübte sollten den ersten Probestreifen für ein Motiv immer mit der Gradation 3 herstellen, denn nach der Entwicklung kann man dann sehr gut sehen, ob die Gradation zu weich, oder zu hart ausgefallen ist und in welche Richtung die nächste Filterung erfolgen muss.

Gradationsverlust
Unbelichtete MG Papiere altern schneller als herkömmliche Baryth-Papiere.
Erfahrungswerte sind : nach einem halben Jahr hat die Gradation um ca. 1/3 bis 1/2 Gradationsstufe, nach einem ganzen Jahr um ca. 1/2 bis zu 1 Gradationsstufe nachgelassen. (je nach Lagerbedingungen), d.h. dass bei sehr lange gelagertem MG Papier die Gradationen 4 1/2 und 5 nicht mehr zur Verfügung stehen.

Entwickler
MG-Papiere sollten in speziellen MG-Entwicklern verarbeitet werden, da diese auf die Eigenheiten dieser Papiere abgestimmt sind.
Eigene Versuche haben aber gezeigt, dass auch die bisherig verwendeten Entwickler (Agfa Neutol, Tetenal Eukobrom usw.) hervorragend verwendet werden können.
Jeder Entwickler beeinflusst das MG-Papier anders und man sollte verschiedene Entwickler ausprobieren um die Gradation und den Bildton (warmschwarz bis kaltschwarz) nach eigenem Geschmack zu beeinflussen.

MG neuerer Produktion sind ohne in die Bildschicht eingelagerte Entwicklersubstanz !!
Dies hat den Vorteil, dass dieses Vergrößerungspapier wieder wie früher bei den Barythpapieren während dem Vergrößerungsprozess manipuliert / beeinflusst werden kann.
(Verwendung von unterschiedlichen Entwicklern zur Bildton- und Gradationssteuerung, nachwärmen mit der Hand damit bestimmte Bildteile besser herauskommen, Zweischalenentwicklung usw.)

Entwicklungszeit
Diese liegt im Allgemeinen bei 60 Sekunden, allerdings hängt diese auch stark von dem verwendeten Entwickler ab.
Ein in Streifenbelichtung belichtetes MG wird in den Entwickler eingelegt und bei mäßiger Bewegung entwickelt. Auch bei Duka-Beleuchtung ist gut zu erkennen, wann die Entwicklung zum stehen kommt, d.h. keine weitere Schwärzung erfolgt.
Diese Zeit plus einer halben Minute ist die Standartentwicklungszeit.
Ein richtig belichtetes Bild kann auch ohne weiteres die doppelte Zeit im Entwickler liegen, ohne, dass dies der Bildqualität schadet, dies sollte allerdings nicht zur Regel gemacht werden.

Unterbrecher
Unterbrecherbäder können wie bisher verwendet werden.

Fixierbad
Um zügig arbeiten zu können sollte MG-Fixierbad (z.B.: Variospeed von Tetenal) verwendet werden.
Dies hat die Eigenschaft, dass das Bild schon nach 30 Sekunden, maximal nach 1 Minute ausfixiert ist.

Wässerungszeit
Die Wässerung von kunststoffbeschichteten Papieren ist äußerst kurz.
Theoretisch genügt schon ein kurzes Abspülen, aber auf Rücksicht der Haltbarkeit der Bilder sollte man doch mindestens 3 bis 5 Minuten Wässern.
Eine längere Wässerungszeit bringt eher Nachteile, da das Wasser durch die Seitenränder der Bilder eindringt und diese aufquellen lässt und im Extremfall die Bildschicht ablöst.

Trocknung
Kunststoffbeschichtete Papiere dürfen nicht auf einer Trockenpresse getrocknet werden, da die Kunststoffschicht schmelzen würde.
Die Bilder werden einfach mit einem sauberen Ledertuch (Vileda) auf Vorder- und Rückseite abgewischt und auf ein Tischtuch zum Trocknen ausgelegt.
Soll es schneller gehen, dann mit einem Föhn trocknen.

Tipps und Tricks
Kontrastreiche Motive (z.B.: Landschaft mit sehr hellem Himmel) kann man bei der Belichtung mit verschiedenen Filtern nacheinander belichten.
Zuerst belichtet man mit dem Filter der Gradation 2 und anschließend mit dem Filter der Gradation 4.
Dies bewirkt, dass der helle Himmel gute Grauwerte bekommt und nicht ausgefressen erscheint und die Landschaft kontrastreich genug abgebildet wird.
Einen ähnlichen Effekt erzielt man, wenn nur bestimmte Bildteile mit einem Filter anderer Gradation nachbelichtet werden. Hierbei kann zusätzlich sehr gut das Abwedeln, oder Abdecken bestimmter Bildteile eingesetzt werden um den Effekt noch zu erhöhen.

Bruno Erni

Nun wünschen wir viel Spaß bei der SW-Laborarbeit


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© 12. Dezember 1996 Foto- und Filmclub Ketsch e.V. Bruno Erni