| Leitfaden zur Jugendarbeit in Fotoclubs |
Liebe Fotofreunde, liebe Clubvorsitzende,
zuerst möchte ich sagen, dass es kein
Patentrezept für die Jugendarbeit gibt !
Ich möchte hier lediglich einige Vorschläge machen wie eine Jugendarbeit
aussehen könnte. Begriffe wie Jugendgruppe oder Jugendleiter sind allgemein
gehalten und beschreiben keinen Titel. Die Jugendarbeit sieht im DVF vor, dass
man in zwei Alterklassen unterscheidet. Meine Vorschläge richten sich nach
keiner bestimmten Altersklasse, aber ich gebe zu bedenken, dass für Minderjährige
andere Vorschriften gelten und deshalb einiges nicht oder nur in beschränktem
Maße unternommen werden kann.
Die Jugendarbeit soll Jugendliche an das
Thema Fotografie heranführen. Außerdem sollen die Jugendlichen die Vereins-
bzw. Verbandstrukturen kennen lernen. Sollte sich aus der Jugendarbeit später
ein aktives Mitglied entwickeln wäre dies durchaus erstrebenswert. In den
meisten Fällen ist jedoch, zu einem späteren Zeitpunkt, die Interessenlage
anders gestaltet und meist gewinnt man erst Jahre später wieder einen
Jugendlichen zurück, nachdem er sich privat und beruflich gefestigt hat.
Als erste Voraussetzung gilt, dass man überhaupt Jugendliche im Verein hat. Diese müssen deshalb nicht in einer eigenen Jugendgruppe unterbracht sein. Die meist gestellte Frage dabei ist, wie kommt man als Verein zu Jugendlichen? In den meisten Fällen sind dies Kinder, Enkel, Verwandte von Clubmitgliedern. Oder ein Clubmitglied ist Lehrer und hat eine eigene Foto AG und bringt diese in die Jugendgruppe mit ein. (In diesem Fall ist es meist besser wenn der Lehrer nicht zugleich der Jugendleiter ist, da sonst die Jugendlichen immer reserviert gegenüber dem Lehrer und somit auch gegenüber dem Club sind.) Hat man dann einige Jugendliche zusammen, wird je nach Qualität, durch Mundpropaganda die Gruppe wachsen oder zerfallen. Auch im letzteren Fall sollte man sich deshalb nicht entmutigen lassen und mit den wenigen Verbliebenen eine bessere Jugendarbeit weiterbetreiben.
Als nächstes muss ein Jugendleiter gesucht werden. Dieser hat die „undankbarste“ aber auch zugleich spannendste Aufgabe im gesamten Verein. Zum einen ist er nicht nur für den Inhalt verantwortlich, sondern auch rechtlich unterliegen minderjährige Jugendliche seiner Obhut. In der heutigen Zeit wahrlich eine nicht zu beneidende Aufgabe, die allerdings eine Herausforderung darstellt. Der Jugendleiter sollte eine persönliche Beziehung zu den Jugendlichen entwickeln können und auch ein Gespür für sensible Angelegenheiten haben. Er muss zwar kein Sozialarbeiter sein, aber Verständnis auch in privaten Belangen der Jugendlichen sind für die Gruppendynamik eine große Hilfe. Ohne einen Jugendleiter werden die Jugendlichen nur von ihrem direkten Bekannten im Verein unterstützt und eine Anbindung findet meist nicht statt.
Als letzte Voraussetzung muss deshalb
gelten, dass die Jugendlichen in eigenen Veranstaltungen zusammengeführt
werden. Dies kann ein Clubtreffen sein oder aber gemeinsames fotografieren an
einem gemeinsamen Thema. Die Gemeinschaft und Bindung ist ein wesentliches
Merkmal einer guten Jugendarbeit. Man sollte allerdings darauf achten, dass der
Terminkalender der Jugendlichen nicht überstrapaziert wird, da gerade in diesem
Alter noch sehr viele andere Vereine (Sport, Musik ...) besucht werden.
Inhaltlich kann man alle Bereiche der Fotografie aufarbeiten und in Clubtreffen abhandeln. Man sollte jedoch bei der Themenwahl darauf achten, dass die Aufarbeitung auch dem Alter entspricht.
Im Vordergrund sollte dabei auf jeden Fall die praktische Fotografie stehen. Zu viel Theorie wirkt zu sehr nach Schule und wird meist abgelehnt. Praxis in allen Bereichen heißt das Zauberwort: Fotografieren an unterschiedlichen Orten und Motiven: Tier- und Naturfotografie, Menschen in der Stadt; Stilleben; Arrangements; Studio- und Portraitfotografie, Sport ...
Auch die eigenen Praxistests mit Kameras und Filmen gehören dazu. Im Bereich S/W ist der Umgang mit eigenen Entwicklungen immer ein Highlight im Jahr. In jüngster Zeit muss der digitalen Bildbearbeitung immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Workshops in diesem Bereich sind gerade für Jugendliche von großem Interesse.
Solche gemeinsamen Aktionen spornen die Jugendlichen auch gegenseitig an, bessere Bilder zu machen. Dies wird durch die Teilnahme an Wettbewerben noch zusätzlich gefördert.
Zum Schluss sei
noch erwähnt, dass die Qualität der Bilder nie von der Kamera abhängig sein
darf. Jugendliche mit „schlechteren Kameras verlieren sonst zu schnell die
Lust, sich mit den anderen zu messen. Man muss immer das positiv mögliche
betonen und nicht wie bei den Erwachsenen nur das Endergebnis betrachten !
Die oben angeführten Punkte sind meist nicht gerade billig. In den meisten Städten
und Gemeinden gibt es allerdings Zuschüsse im Bereich der Jugendarbeit. Schon
ein Zuschuss von 30-50 DM pro Jugendlichen, kann die meisten Kosten wie
Entwickler oder Filme bezahlbar machen. Und auch der Club sollte sich überlegen,
ob die Clubarbeit auch in Zukunft weitergehen sollte, oder wegen Überalterung
irgendwann der Club aufhört zu existieren. Dies könnte es durchaus Wert sein,
die Jugendarbeit auch finanziell am Leben zu erhalten. Letztendlich geht es uns
doch um die Fortführung unseres Hobbys, der Fotografie.
Die vorher aufgeführten Punkte betreffen die Jugendarbeit in den Vereinen.
Das DVF-Land kann nur die Funktion haben eine Koordination dieser Jugendarbeit
zu unterstützen. So sind dringend Änderungen in den Jugendklassen von Nöten
(s. Diskussionspapier Jugendarbeit). Des weiteren sind Veranstaltungen,
Workshops ausschließlich für jugendliche Teilnehmer zu planen und durchzuführen.
Dies alles bedingt aber, dass aus den Vereinen auch Jugendgruppen Zustande
kommen.
In diesem Sinne wünsche ich allen genügend Motivation sich für die notwendige Jugendarbeit zu engagieren. Es würde mich freuen, wenn dieser Beitrag zu wenigstens einer Jugendgruppe führen würde.
Gut Licht
Norbert Heil
fotoclub filderstadt e.V. im DVF
Blumenstr. 12
Tel: 07158/94 65 20
heil@uni-hohenheim.de
www.fotoclub-filderstadt.de
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